Panzerfabrik in Algerien

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Staber
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Panzerfabrik in Algerien

Beitrag von Staber »

Erstmals sollen in einem Land mit autoritärem Regime deutsche Panzer gebaut werden. Der Rüstungskonzern Rheinmetall will gleich eine ganze Fabrik exportieren – ein Multi-Milliarden-Geschäft.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 61146.html

Wie jeder weiss, haben Rüstungsgeschäfte – zumal mit autoritären Staaten – immer ein Geschmäckle. Die Frage ist jedes mal dieselbe: Können wir Ländern, die nicht nach unseren demokratischen Vorstellungen ticken und Menschenrechte missachten, Waffen an die Hand geben?Vielfach müssen wir sie verneinen, worauf dann andere, weniger moralisch denkende Staaten gern einspringen. Aber es gibt eben auch Grenzfälle. Und Algerien ist einer. Das Land funktioniert zwar nicht nach unseren demokratischen Regeln, aber es hat Züge europäischen Politikverständnisses. Und es hat vor dem Hintergrund zunehmender Instabilität und Radikalisierung der gesamten Region eine aus westlicher Sicht wachsende geopolitische Bedeutung. Umringt von Staaten, in denen zum Teil das Chaos herrscht, gilt es, diesen Stabilitätsfaktor zu stärken. Und dazu gehören eben auch Waffen zur Sicherung der langen Grenze.
Natürlich wäre wünschenswert, in einer friedlichen Welt ohne Panzer, Geschütze und Gewehre zu leben. Aber das ist illusorisch. Waffen und Geschäfte mit ihnen bleiben wohl für immer ein notwendiges Übel.
Ein Mensch hat die Atombombe erfunden, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle bauen!
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AlexRE
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Re: Panzerfabrik in Algerien

Beitrag von AlexRE »

Erstmals sollen in einem Land mit autoritärem Regime deutsche Panzer gebaut werden.
Da stimmt schon der Einleitungssatz nicht so ganz ...
(...)

Tanque Argentino Mediano (TAM) (deutsch: Argentinischer mittelschwerer Panzer) basiert auf dem deutschen Schützenpanzer Marder 1. Er ist der Hauptkampfpanzer Argentiniens.

Er wurde Mitte der 1970er-Jahre von Argentinien zusammen mit dem Marder-Hersteller Rheinmetall entwickelt

(...)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tanque_Argentino_Mediano

Mitte der 70er Jahre hatte Argentinien eindeutig ein autoritäres Regime.
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Staber
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Re: Panzerfabrik in Algerien

Beitrag von Staber »

Unser Wohlstand beruht auf dem ,,Unwohlstand" anderer Menschen. Leider! Es ist seit Menschengedenken so (siehe Rom, Kolonialreiche, Sowjetunion usw... ).

Algerien als zuverlässiger Erdgaslieferant Europas und Verbündeter gegen radikale Islamisten hat ein Recht auf Schutz und Sicherheit. Mögen die Pazifisten hier zur Kenntnis nehmen, dass ein geworfener Strauß Blumen an dieser Stelle definitiv nicht weiter hilft.
...im Übrigen wird der geneigte Leser der letzten Rüstungsexportberichte erkannt haben, dass Algerien schon länger beliefert wird...
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AlexRE
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Re: Panzerfabrik in Algerien

Beitrag von AlexRE »

Staber hat geschrieben:...im Übrigen wird der geneigte Leser der letzten Rüstungsexportberichte erkannt haben, dass Algerien schon länger beliefert wird...
Insofern ist die Lieferung einer Waffenfabrik allerdings eine andere Qualität als die reine Waffenlieferung. Bei anspruchsvollen Waffensystemen wie Panzern hat der Lieferant immer noch gewisse politische Einflussmöglichkeiten für den Fall eine missbräuchlichen Verwendung, z. B. gegen aufmüpfige Zivilisten. Er kann ja notfalls mit der "Ersatzteilkeule" drohen, weil der Käufer solche Waffen nicht ohne die Fortsetzung der Geschäftsbeziehungen zu dem Verkäufer einsatzfähig halten kann.

Diese Option entfällt bei der Lieferung einer Waffenfabrik vollständig.
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