"whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Meinungen und Erfahrungen zu unserer wichtigsten politischen Aussage.

Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Di 16. Aug 2011, 11:41

Vom privaten Forum hierher kopiert:

Livia hat geschrieben:Das ist leider weitverbreitet in der heutigen Gesellschaft und macht immer mehr Schule. Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Warum soll ein Petzer (wie man bei uns sagt) nicht bestraft werden, auch wenn er die Wahrheit spricht? Eigentlich ist unsere Gesellschaft nur noch ein Lügengespinst, das sich mit Lorbeeren schmückt auch wenn das niemandem zusteht.

http://www.vagw.ch/lab_180909_1_01.pdf

Auch hier nur ein Beispiel von vielen. Die Aufdeckung im Sozialamt hat der Grünen Vorsteherin das Amt gekostet, sie musste zurücktreten. Anschliessend liess sie in der Presse mitteilen, dass sie einen Psychiater konsultieren musste, weil ihr das alles sehr zugestzt habe. Man konnte aber nie lesen, was für Fälle aufgedeckt und neu behandelt werden mussten.


Immerhin ist die Sozialamtsmitarbeiterin, die die Missstände öffentlich gemacht hat, vom Strafgericht freigesprochen worden. Ihren Job hat sie aber auch verloren. Die Verhältnisse in der Schweiz sind also für whistleblower keineswegs besser als in Deutschland.
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon Staber » Di 16. Aug 2011, 17:31

Dräuende Gefahren, die niemand sieht, und die ernsthafte ‚Probleme' für Leib und Leben bedeuten (können), stellen die schwerwiegenste Kategorie von Situationen dar, die zum Handeln geradezu herausfordern.
Wie wichtig whistleblower sind,sieht man am folgendem Beispiel.
Zur Erinnerung! Am 6. März 1987, kenterte das Fährschiff "Herald of Free Enterprise" der Reederei Townsend Car Ferries Ltd. Kurz nach Verlassen des belgischen Hafens Zeebrugge, nachdem der für das Schließen des Bugtors eingeteilte Matrose in seiner Kabine eingeschlafen war und kein höherrangiges Besatzungsmitglied den ordnungsgemäßen Verschluß des Bugtors sichergestellt hatte.
Unter den 543 Passagieren und 80 Besatzungsmitgliedern des Schiffs, das Richtung Dover unterwegs war, starben bei diesem schwersten Schiffsunglück in der belgischen Seefahrtsgeschichts zu Friedenszeiten 193 Menschen.
Die "Harold of Free Enterprise" fuhr meistens und vorschriftswidrig mit offenen Bugtoren, obwohl mehrere Matrosen auf die dabei möglichen Gefahren erst die leitenden Offiziere, später auch die Reederei aufmerksam gemacht hatten - ohne Erfolg. Als das Desaster passiert war, konnten die Angehörigen und auch das Gericht dem Management nicht (mehr) nachweisen, dass es von diesen Warnungen eigentlich hätte wissen müssen. Schuldspruch und Schadensersatz gab es daher nicht. Bei dem noblen britischen Kreditinstitut lag der Fall etwas anders: Hier waren Hierarchie und Arbeitsabläufe so autokratisch strukturiert, dass sich niemand getraute, auf die unzähligen Probleme und Missstände aufmerksam zu machen, von denen aber praktisch fast jeder wusste.
In beiden Fällen gab es zu diesem Zeitpunkt zwar noch keinen Whistleblowerschutz und keine Institutionen, die als Ansprechpartner hätten fungieren können, aber immerhin die freie Presse. Niemand hatte von dieser wichtigen Institution Gebrauch gemacht. Entsprechend die Folgen.
Also darum sind "Klokkenluider"( Niederländisch ) wichtig!


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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon Livia » Mi 17. Aug 2011, 11:49

AlexRE hat geschrieben:Vom privaten Forum hierher kopiert:

Livia hat geschrieben:Das ist leider weitverbreitet in der heutigen Gesellschaft und macht immer mehr Schule. Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Warum soll ein Petzer (wie man bei uns sagt) nicht bestraft werden, auch wenn er die Wahrheit spricht? Eigentlich ist unsere Gesellschaft nur noch ein Lügengespinst, das sich mit Lorbeeren schmückt auch wenn das niemandem zusteht.

http://www.vagw.ch/lab_180909_1_01.pdf

Auch hier nur ein Beispiel von vielen. Die Aufdeckung im Sozialamt hat der Grünen Vorsteherin das Amt gekostet, sie musste zurücktreten. Anschliessend liess sie in der Presse mitteilen, dass sie einen Psychiater konsultieren musste, weil ihr das alles sehr zugestzt habe. Man konnte aber nie lesen, was für Fälle aufgedeckt und neu behandelt werden mussten.


Immerhin ist die Sozialamtsmitarbeiterin, die die Missstände öffentlich gemacht hat, vom Strafgericht freigesprochen worden. Ihren Job hat sie aber auch verloren. Die Verhältnisse in der Schweiz sind also für whistleblower keineswegs besser als in Deutschland.


Das ist richtig, sie wurdenjedoch erst in zweiter Instanz freigesprochen. Die erste Instanz hatte beide Frauen verurtelt und eine hohe Geldstrafe ausgesetzt. Sie zogen dann das Urteil weiter und bekamen erst dann recht. Ob die Busse bezahlt werden musste, entzieht sich meinen Kenntnissen.

@ Stabler, ich denke auch dass das vermehrt Schule machen sollte, aber die meisten betroffenen Menschen die etwas aufdecken könnten, fürchten sich vor den Folgen.
Viele Leute würden bereitwillig zugeben, dass sie sich langweilen; aber kaum einer würde zugeben, dass er langweilig ist.

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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Mi 17. Aug 2011, 13:44

Staber hat geschrieben:Dräuende Gefahren, die niemand sieht, und die ernsthafte ‚Probleme' für Leib und Leben bedeuten (können), stellen die schwerwiegenste Kategorie von Situationen dar, die zum Handeln geradezu herausfordern.
Wie wichtig whistleblower sind,sieht man am folgendem Beispiel.
Zur Erinnerung! Am 6. März 1987, kenterte das Fährschiff "Herald of Free Enterprise" der Reederei Townsend Car Ferries Ltd. Kurz nach Verlassen des belgischen Hafens Zeebrugge, nachdem der für das Schließen des Bugtors eingeteilte Matrose in seiner Kabine eingeschlafen war und kein höherrangiges Besatzungsmitglied den ordnungsgemäßen Verschluß des Bugtors sichergestellt hatte.
Unter den 543 Passagieren und 80 Besatzungsmitgliedern des Schiffs, das Richtung Dover unterwegs war, starben bei diesem schwersten Schiffsunglück in der belgischen Seefahrtsgeschichts zu Friedenszeiten 193 Menschen.
Die "Harold of Free Enterprise" fuhr meistens und vorschriftswidrig mit offenen Bugtoren, obwohl mehrere Matrosen auf die dabei möglichen Gefahren erst die leitenden Offiziere, später auch die Reederei aufmerksam gemacht hatten - ohne Erfolg. Als das Desaster passiert war, konnten die Angehörigen und auch das Gericht dem Management nicht (mehr) nachweisen, dass es von diesen Warnungen eigentlich hätte wissen müssen. Schuldspruch und Schadensersatz gab es daher nicht. Bei dem noblen britischen Kreditinstitut lag der Fall etwas anders: Hier waren Hierarchie und Arbeitsabläufe so autokratisch strukturiert, dass sich niemand getraute, auf die unzähligen Probleme und Missstände aufmerksam zu machen, von denen aber praktisch fast jeder wusste.
In beiden Fällen gab es zu diesem Zeitpunkt zwar noch keinen Whistleblowerschutz und keine Institutionen, die als Ansprechpartner hätten fungieren können, aber immerhin die freie Presse. Niemand hatte von dieser wichtigen Institution Gebrauch gemacht. Entsprechend die Folgen.
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Das Sterben der Opfer der Missstände im Pflegebereich ist zwar nicht so spektakulär wie das der 193 Toten der Herald of Free Enterprise, aber sie sind ganz sicher zahlreicher. Dennoch erweist es sich als Jahrhundertprojekt, die seit Jahrzehnten bestehenden Prioritäten in den Rechtsordnungen aller demokratischen Staaten auch tatsächlich in die Praxis umzusetzen.

Richter, die selbst jederzeit eine Rechtsbeugung eines Kollegen verleugnen würden, tun sich natürlich schwer, einem "Verräter" aus den Reihen einer anderen gesellschaftlichen Autorität 'Recht zu geben.
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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Di 27. Nov 2012, 18:03

Dieser Fall wird (endlich einmal) von den meisten großen Medien mit der dringend gebotenen Aufmerksamkeit bedacht:

Fall Gustl Mollath

Weggeräumt und stillgestellt

Von Conny Neumann

Gustl Mollath wusste viel über dubiose Geschäfte von Anlageberatern der HypoVereinsbank. Die bayerische Justiz nahm seine Belege nicht ernst und ließ ihn in eine geschlossene Klinik sperren. Dort lebt er bis heute - obwohl ein interner Prüfbericht der Bank seinen Verdacht teilweise bestätigt.

(...)

Gustl Mollath sitzt in einem kargen Zimmer des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, forensische Station FP4. Er trägt keine Handschellen, sitzt nicht hinter Panzerglas und ist nicht in Begleitung eines Aufpassers. Er schluckt keine Beruhigungspillen. Mollath ist groß und bestimmt 80 Kilogramm schwer. Er hat Kugelschreiber mitgebracht, eine Dose Erdnüsse steht in Reichweite, mit einem messerscharfen Metalldeckel. Die Türen sind versperrt, die Fenster doppelt gesichert. Wenn Mollath jetzt die Kontrolle verliert, könnte man nicht einmal weglaufen. Trotzdem kommt keiner der Pfleger und schaut nach.
Was stimmt hier nicht? Weiß das Personal in der Klinik, dass Mollath nicht der gefährliche Kranke ist, für den Gerichte und Gutachter ihn seit Jahren halten?

(...)

Gustl Mollath, einst wohlhabender Geschäftsmann aus Nürnberg, sitzt seit fast sieben Jahren hinter Gittern. Er musste sich in der Zeit von 2003 bis 2006 vor Gericht verantworten, weil er seine frühere Frau geschlagen und gewürgt hatte. In dem Prozess behauptete er, man versuche ihm die Taten fälschlicherweise anzuhängen, weil er eine unbequeme Wahrheit habe aufdecken wollen: Seine Ex-Frau und weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) hätten große Mengen Schwarzgeld in die Schweiz verschoben und illegal Provisionen kassiert. Die Vorwürfe wurden von der Justiz ignoriert. Dafür attestierte man Mollath einen krankhaften Wahn. im Jahr 2006 wurde er zwangseingewiesen.

(...)


Quelle: spiegel.de

Keine Abtrennung, keine Pfleger, ein Kugelschreiber und ein scharfer Metalldeckel griffbereit ...

Im Psychatriebetrieb weiß also jeder, dass dem Mann nur deshalb Gefährlichkeit unterstellt wird, weil er sich Grundgesetzfeinden mit zu viel Macht in den Weg gestellt hat. Dass die heutigen feigen Establishment - Politiker und Richter diesen Tiefststand der Rechtskultur nicht aus eigenem Antrieb verlassen werden, muss jedem Menschen klar sein, der selbständig denken kann.

An diesen unerträglichen Verhältnissen kann nur der Volkssouverän und Hausherr in diesem Lande selbst etwas ändern, indem er an der Wahlurne den pflichtvergessenen Lumpen ihre Blankovollmachten wieder wegnimmt. Dazu muss man sich natürlich einen Ruck geben und Piraten, andere neue demokratische Parteien oder unabhängige Direktkandidaten wählen. Wer den alten Trott nicht verlässt und die heutigen Totalversager immer wiederwählt, unterstützt die verfassungsverräterischen Machtstrukturen letztendlich genauso wie die korrupten medizinischen Gefälligkeitsgutachter und feigen Richter, die ausnahmslos jede Sauerei mitmachen, wenn die Säue weit genug oben in unserer Bonzokratie zu verorten sind.
Der Stuttgarter OB Rommel:

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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon Staber » Di 27. Nov 2012, 18:54

Indizien für die Entgleisung unseres Rechtsstaates bzw. seiner Organe bieten (neben vielen weiteren Fällen) insbesondere (letzte Aktualisierung 2012-07-24):

Die Geschichte des kürzlich verstorbenen Gymnasiallehrers Horst Arnold, der fünf Jahre lang unschuldig in der Psychiatrie und im Gefängnis saß. Trotz des erfolgten Freispruchs wurde Arnold nie wirklich rehabilitiert.
TV-Beitrag Hessischer Rundfunk 2012
http://falschbeschuldigung.org/Horst_Arnold

Der Fall Harry Wörz, der über dreizehn Jahre um die Feststellung des an ihm begangenen Justizunrechts kämpfen musste:
Artikel auf spiegel.de von Beate Lakotta von 2012
http://www.harrywoerz.de/

Der Fall von Polizeigewalt in Rosenheim, bei dem Psychiatrisierung als Mittel zum Zweck eingesetzt wird (Nürnberger Nachrichten) (telepolis) (Süddeutsche Zeitung) (siehe auch Textauszug von telepolis und Videos weiter unten
Frankfurter Steuerfahnderskandal (Frankfurter Rundschau)
und hier (Video): (SWR Report Mainz)
http://www.nordbayern.de/ressorts/poliz ... -1.1890403

Der Fall Peggy K. / Ulvi Kulac auf dem der vor kurzem ausgestrahlte Fernsehfilm auf arte "Das unsichtbare Mädchen" von Dominik Graf beruht.
Die gekaufte Republik - Korruption in Deutschland
(Audio Bayern2 Zündfunk)
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/p ... 23989.html

Von mir keinen Kommentar, weil sprachlos! :(


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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Di 27. Nov 2012, 21:48

Staber hat geschrieben:Indizien für die Entgleisung unseres Rechtsstaates bzw. seiner Organe bieten (neben vielen weiteren Fällen) insbesondere (letzte Aktualisierung 2012-07-24):

Die Geschichte des kürzlich verstorbenen Gymnasiallehrers Horst Arnold, der fünf Jahre lang unschuldig in der Psychiatrie und im Gefängnis saß. Trotz des erfolgten Freispruchs wurde Arnold nie wirklich rehabilitiert.
TV-Beitrag Hessischer Rundfunk 2012
http://falschbeschuldigung.org/Horst_Arnold

Der Fall Harry Wörz, der über dreizehn Jahre um die Feststellung des an ihm begangenen Justizunrechts kämpfen musste:
Artikel auf spiegel.de von Beate Lakotta von 2012
http://www.harrywoerz.de/

Der Fall von Polizeigewalt in Rosenheim, bei dem Psychiatrisierung als Mittel zum Zweck eingesetzt wird (Nürnberger Nachrichten) (telepolis) (Süddeutsche Zeitung) (siehe auch Textauszug von telepolis und Videos weiter unten
Frankfurter Steuerfahnderskandal (Frankfurter Rundschau)
und hier (Video): (SWR Report Mainz)
http://www.nordbayern.de/ressorts/poliz ... -1.1890403

Der Fall Peggy K. / Ulvi Kulac auf dem der vor kurzem ausgestrahlte Fernsehfilm auf arte "Das unsichtbare Mädchen" von Dominik Graf beruht.
Die gekaufte Republik - Korruption in Deutschland
(Audio Bayern2 Zündfunk)
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/p ... 23989.html

Von mir keinen Kommentar, weil sprachlos! :(


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In diesen Fällen war die Justiz wohl etwas untermotiviert. Dieses Defizit ist aber behebbar:

Justiz

Justiz beugt sich öffentlichem Druck in der Affäre Gustl Mollath

Seehofer greift ein: Fall muss neu bewertet werden

München (dapd-bay). Bewegung im Fall Gustl Mollath: Die umstrittene Zwangsunterbringung des 56-jährigen Nürnbergers wird noch einmal gerichtlich überprüft. Nach massivem öffentlichen und politischen Druck stellte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bei der zuständigen Kammer einen entsprechenden Antrag.

(...)

"Aufgrund der zum Teil einseitigen Medienberichterstattung in der Sache Mollath droht das Vertrauen in die Justiz Schaden zu nehmen", erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. Zugleich wies sie Vorwürfe gegen die Justiz zurück. Diese habe sich stets um optimale Aufklärung bemüht.

(...)


Quelle: welt.de

So sieht also "optimale Aufklärung aus": Die Unbotmäßigen der sozialen Vernichtung preisgeben und mit der nochmaligen Überprüfung beginnen, wenn man selbst ins Kreuzfeuer der Medien gerät.

Wie gesagt - wer von diesen feigen Grundgesetzverrätern erwartet, dass sie ohne Druck durch den Volkssouverän und Hausherrn auch nur einen Finger für die Wiederherstellung der freiheitlich demokratischen Grundordnung - insbesondere der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland - krumm machen, kann nicht selbständig denken.
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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Do 29. Nov 2012, 20:46

Bemerkenswert klare und harte Ansagen auch der mainstream - Medien:

29. November 2012 12:15 Verfahren gegen Gustl Mollath
Vorgetäuschte Aufklärung

Die Nürnberger Staatsanwaltschaft will im Fall Mollath ein neues psychiatrisches Gutachten anfertigen lassen. Doch um zur Wahrheit zu gelangen, müsste sie viel früher ansetzen - und die strafrechtlichen Vorwürfe überprüfen, deretwegen Gustl Mollath überhaupt in die Psychiatrie kam.

(...)

Transparenz brächte nur ein Verfahren, von dem die Öffentlichkeit sich im Gerichtssaal ein Bild von der Sache machen könnte - und ein Bild von Gustl Mollath. Solange dies nicht der Fall ist, setzt sich die Staatsanwaltschaft dem Vorwurf aus, dass sie genau dies nicht will.


http://www.sueddeutsche.de/bayern/verfa ... -1.1536547
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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon DJ_rainbow » Do 29. Nov 2012, 20:49

Aber auch die SZ hat 7 Jahre Anlauf benötigt, um das Offensichtliche zu bemerken.

Guter Journalismus ist was anderes.

Immerhin tut sich wenigstens jetzt etwas.
In der Demokratie mästen sich Sozialisten in Parlamenten. Im Sozialismus hungern Demokraten in Zuchthäusern und Arbeitslagern.

Modi bei http://www.radio-xtream.de

Bild
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Re: "whistleblower" und schlechte Angewohnheiten der Deutschen

Beitragvon AlexRE » Fr 30. Nov 2012, 21:23

Eine völlig unabhängige und nur von sich selbst kontrollierte Justiz (einschließlich unabhängiger Staatsanwälte) hat wohl doch nicht nur Vorteile:

Gustl Mollath sitzt in der Psychiatrie. Aber ist er wahnsinnig? Er ist überzeugt, seine Ehefrau sei in Geldtransfers der HypoVereinsbank in die Schweiz verwickelt gewesen. Die Deals hat es gegeben. Aber ausgerechnet ein Richter verhinderte offenbar Ermittlungen, die Mollaths Aussagen bestätigt hätten.

Der Fall Gustl Mollath beginnt von vorne. Völlig überraschend hat Bayerns Justizministerin Beate Merk heute bestätigt, dass die Ermittlungen gegen den 56-jährigen Nürnberger Geschäftsmann noch einmal aufgerollt werden sollen. Merk hat die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angewiesen, einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens beim zuständigen Gericht zu stellen.

(...)


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-mollath-gefangen-in-weiss-blauem-filz-a-870264.html

Die Justizminsterin muss sich vor den Wählern verantworten und kann deshalb von den Medien unter echten Druck gesetzt werden. Da deutsche Justizminister Staatsanwälten Weisungen erteilen können, kommt es wohl nur wegen dieses Drucks doch noch zu dem dringend gebotenen Wiederaufnahmeverfahren. Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg wollte ja nur eine neue Begutachtung des mutmaßlich zu Unrecht Zwangspsychiatrisierten, die dieser bekanntlich ablehnt. Das wäre nicht zielführend und nur eine neue Runde in dem Justizskandal gewesen. Bei den hohen Herrschaften in der dritten Gewalt, die sich nicht gegenüber dem Wähler und den Medien verantworten müssen, gilt immer noch: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus".
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