Zu Tode gespart

Themensammlung "Pflegenotstand"

Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Mo 5. Mär 2012, 20:57

Nach dem gescheiterten Versuch mit der Einsparung der Inkontinenzversorgung der Krankenkassen, welche sich als Katastrophe herausstellte, nun ein weiterer Sparversuch der KK/MDK ???
Auch dieser kann nur zum Scheitern verurteilt sein, da die compliance durch Laienpflege nicht gesichert ist. In Pflegediensten und Heimen dürfen laut Gesetzgeber nur Fachkräfte Behandlungspflegen durchführen. Wo bleibt da wiedermal die Logik?! Vielleicht sollten die KK erst mal in ihren Reihen sparen, wer bezahlt denn die Pflegefachkräfte, welche zu Werbezwecken zu den Menschen nach Hause fahren?!

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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon AlexRE » Di 6. Mär 2012, 09:45

chippysunnray hat geschrieben:Nach dem gescheiterten Versuch mit der Einsparung der Inkontinenzversorgung der Krankenkassen, welche sich als Katastrophe herausstellte, nun ein weiterer Sparversuch der KK/MDK ???


Ich weiß zwar nicht, was sie da konkret versucht haben, aber dass die Inkontinenzversorgung die Phantasie der Kostendämpfer ungemein anregt, liegt auf der Hand. Nach diesen Zahlen der Fa. Hartmann beansprucht die Inkontinenzversorgung 25 % (!) der gesamten Personalkosten im Pflegebereich, die wiederum 70 % der Gesamtkosten ausmachen, siehe S. 2 und S. 13:

http://fuu-ak-wiso.de/design/ak_wiso/javascript/docs/Fachforum.pdf
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Mi 7. Mär 2012, 12:29

"Im Bereich der Inkontinenzversorgung ist bundesweit zu beobachten, dass Krankenkassen,
wie z.B. die AOK und die BEK, die Leistung „Inkontinenzhilfen“ ausschreiben und mit den
günstigsten Anbietern Verträge abschließen. Die von den neuen Vertragspartnern der
Krankenkassen gelieferten Inkontinenzartikel weisen nach Rückmeldungen von Betroffenen
überwiegend eine verminderte Qualität auf. Die Saugleistung der Inkontinenzhilfen erreicht
nicht die notwendige Stärke und es fehlt häufig ein ausreichender Rücklaufschutz. Da sich die
Anzahl der Inkontinenzhilfen im Einzelfall nicht gleichzeitig erhöht, treten bei den
Betroffenen wegen der früher eintretenden und damit länger bestehenden Feuchtigkeit
erhebliche Hautprobleme auf. Neben Entzündungen sind bei längerem Gebrauch allergische
Reaktionen zu beobachten."

Die Auswirkungen in der Praxis waren eine Katastrophe, erst nachdem Heime, Pflegedienste und Angehörige sich massiv beschwert hatten, wurde dieser Blödsinn rückgängig gemacht und Hartmann konnte die Heime wieder mit Qualität beliefern.
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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Mi 7. Mär 2012, 12:30

Auswirkungen der vorgegebenen "MINUTENPFLEGE" im Alltag: So kommt es vor, dass ambulante Dienste nur noch im "VORBEIFAHREN" pflegen. Ausgestattet mit Taschen-PC, die als "STOPPUHR" dienen, um zu prüfen, ob die Zeiten durch die Mitarbeiter eingehalten werden, bleibt keinerlei Zeit für die Belange der Patienten. in Pflegeheimen mit 115 Bewohnern in 7 Pflegegruppen, davon 2 Beschützende, arbeiten zweieinhalb, zum Teil nur zwei im Nachtdienst. Somit ist eine optimale Versorgung keinesfalls möglich, da besonders Alzheimerpatienten nachts besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, verbleibt für andere Mitbewohner kaum Zeit. Hauptsache, die Pflegenoten auf dem papier stimmen, sie jedoch sagen längst nichts über gute Pflege aus. so kommt es, dass Pflegedienste und Heime mit den genannten Zuständen, die jedoch nur ein kleiner Auszug sind, über sehr gute Noten verfügen.
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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon pongo » Di 13. Mär 2012, 21:12

In Deutschland soll man Ressourcen erhaltend/fördernd pflegen. Wie jedoch ist das möglich, wenn der Pflegeaufwand direkt am Patienten für eine Pflegestufe bzw. eine höhere Pflegestufe in vorgegebenen Minuten erfüllt werden muss?
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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Di 13. Mär 2012, 21:15

Somit ist jede 2. Pflegestufe direkt nicht gerechtfertigt, obwohl sie“ gerecht“ ist. Denn besonders Demente Patienten benötigen viel Zeit, aber leider „nur“ eine Beaufsichtigung und Anleitung zur Grundpflege, zum Essen usw. somit steht ihnen aber keine Pflegestufe zu!
Was müssen wir tun?! Ungewollt „perfekt" lügen, dass wir die Pflegekräfte/Angehörigen die Pflege komplett übernehmen?! , um so eine adäquate Pflegestufe zu bekommen. Oder sie einfach „ungewaschen“ und unbeaufsichtigt lassen, da kein Geld zu Verfügung steht?!
chippysunnray
 

Re: Zu Tode gespart

Beitragvon pongo » Di 13. Mär 2012, 21:18

Auch ist es Tagesform abhängig, deshalb kann man niemals den täglichen Hilfebedarf zählen und jedem ist bekannt, dass sich ältere Menschen von ihrer besten Seite zeigen, wenn sie Besuch bekommen, deshalb ist die Einschätzung durch einen Gutachter in einer Stunde nicht möglich.
pongo
 

Re: Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Di 13. Mär 2012, 21:21

Derjenige, der die Pflegesituation am besten einschätzen könnte, ist der Hausarzt, welcher seine Patienten mitunter 20 Jahre und länger kennt! Aber er soll ja wenn möglich gar nicht mit einbezogen werden.
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Re: Zu Tode gespart

Beitragvon chippysunnray » Do 15. Mär 2012, 21:05

Mal ein Beispiel aus dem realen Leben: meine Nachbarin 89 Jahre, hat nach einem Unfall massiv abgebaut litt/leidet seitdem unter Schwindelzuständen und ist/war fast täglich auf Hilfe angewiesen! Beim ersten Besuch des MDK hat sie angegeben, dass sie versucht, selber zurecht zukommen, was ihr aber sehr oft nicht gelingt! Somit wurde die Pflegestufe abgelehnt! Die Tochter legte Widerspruch ein, worauf eine Pflegeberaterin der AOK kam, um ihr angeblich zu helfen, die PS zu bekommen, aber leider war dieser Besuch völlig sinnlos, denn auch der Widerspruch wurde abgelehnt! Kurze Zeit später stürzte meine Nachbarin aufgrund von Schwindel und zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, aber wieder wurde ihr vom Khs nicht geraten, eine PS zu beantragen! Als sie dann noch eine Lungenentzündung bekam, musste die Nachbarin aufgrund ihres schlechten Zustandes zu 2. versorgt werden! Da sie sich keinen Pflegedienst leisten konnte, bat mich die Tochter um Hilfe. Ich riet der Tochter, erneut eine PS zu beantragen und einen Pflegedienst zur Behandlungspflege, da noch ein insulinpflichtiger Diabetes dazukam, in Anspruch zu nehmen, woraufhin erneut eine Pflegefachkraft der AOK zu Besuch kam, um mit der Tochter zu sprechen, ob sie nicht die Injektionen und Medikamentengabe selber durchführen könnte, denn so könnten die Kosten des Pflegedienstes gespart werden! Kurze Zeit später kam dann noch der MDK zur Feststellung der PS. Sie hat die 1 bekommen, obwohl es in der Zwischenzeit sogar die PS 2 sein müsste! Können so Kosten gespart werden?! Die Gutachter müssen ja schließlich auch bezahlt werden!
chippysunnray
 

Re: Zu Tode gespart

Beitragvon AlexRE » Fr 16. Mär 2012, 12:05

Auf die Weise sparen sie nicht nur Pflegekosten, sondern durch ein sozialverträgliches Frühableben insbesondere Rentenzahlungen.
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