Buchkritik

Für Literaturfreunde

Re: Buchkritik

Beitragvon Uel » Di 19. Mai 2020, 14:31

Ihr seid ganz schöne Feiglinge, dass Ihr keine Antwort abzugeben wagt.

Also dann mal den Blick auf Europa, wie Staber vorschlug.
Seine Karte zur Gesundheit und Wohlstand der Weltbevölkerung hat 4 Stufen, wobei 1 die niedrigste darstellt. Da ist kein europäischer Staat drin, über den Daten vorhanden. Moldawien und die Ukraine sind die einzigen in Stufe 2, alle andern europäischen Staaten sind in 3 oder 4. Wobei ehemalige osteuropäischen Länder in 3 sind und die erfolgreichen osteuropäischen Staaten wie Polen, Estland etc. sowie das ganze restliche Europa in Stufe 4 sind.
Liebe Grüße
von Uel


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Re: Buchkritik

Beitragvon maxikatze » Di 19. Mai 2020, 19:38

Uel hat geschrieben:Ihr seid ganz schöne Feiglinge, dass Ihr keine Antwort abzugeben wagt.
...

Ich kann auch nur vermuten und sage, dass der Hunger auf der Welt drastisch zurückgegangen ist. Ich führe das aber nicht auf die vielen Organisationen, wie z.B. "Brot für die Welt", "Welthungerhilfe" und wie sie alle heißen, sondern auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. Vor rund 50/60 Jahren, weiß ich noch aus der Schulzeit, gab es regelrechte Hungerkatastrophen in China oder auch in Indien. Das ist dort heute nicht mehr der Fall.
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Re: Buchkritik

Beitragvon Staber » Di 19. Mai 2020, 20:06

Die Welt wird immer besser
Von HANS ROSLING (Autor von Factfulness)

Ein interessanter Einblick , aber stimmt auch alles?
Schön wär's ja. Frage mich trotzdem, was so gut daran sein soll, das...

- heute fast 2600 mal so viele Tierarten vom Aussterben bedroht sind wie 1959
- heute viermal so viele Kinder vergiftet werden wie noch 1980
- heute pro Jahr 6,2 Mio. (!) neue Songs veröffentlicht werden, von denen gefühlte 6 Mio. absoluter Ausschuss sind und mit Musik überhaupt
nichts zu tun haben
- gleiches gilt für Kinoausschuss Stichwort:( Masse statt Klasse)
- es überhaupt noch Kinder mit Krebs gibt!
- Deutschland eines von drei Ländern weltweit ist, in dem es noch Zwangsarbeit gibt!
- unser Äcker und Böden zum Zwecke der Gewinnmaximierung auf Jahrzehnte vergiftet und zerstört werden
- es immer noch 11% Unterernährte gibt, wo in DE ein Drittel aller Nahrungsmittel weggeworfen werden.
Seid ihr der Meinung das sei gut?? :cry:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 24076.html
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Fürst Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen (1815-1898)

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Re: Buchkritik

Beitragvon Uel » Sa 13. Jun 2020, 01:29

Erst jetzt wiederentdeckt:

Lieber Staber,
Du hast eine Antwort verdient. Natürlich sind all die Auswüchse, die Du schilderst entsetzlich. Was Rosling aber zeigen wollte ist, dass es stetig voran geht, was die Beseitigung von Hunger und oftmals ausreichenden Finanzmittel der durchschnittlichen Menschen vieler Länder angeht. Er erinnert, z. B. an die kurze Zeitspanne unter historischen Dimensionen, wo seine arme Großmutter in Schweden stand und wo heute selbst ein armer Schwede steht mit ausreichend abwechslungsreicher Nahrung, ohen Angst vor Hunger und Kälte und den Bequemlichkeiten durch die vielen Helferlein im Haushalt.

Viele Entwicklungsländer sind in den 60ern selbständig geworden und deren heutiger Stand ist auch bei vielen nicht mehr vergleichbar mit den alten Standarts damals. In den Medien bekommen wir meist nur Länder präsentiert, in denen es gerade besonders schlecht läuft.

Eine wichtige Beobachtung hat er auch gemacht, die Dich interessieren wird: bei steigenden Wohlstand geht auch die Geburtenrate in der Regel zurück und pendelt sich bei ca. 2-3 Kindern ein.

Natürlich nicht da, wo Religionen eine dicke Lippe riskieren können, sei es der Papst mit seinen verhütungstechnischen Verklemmungen, seien es die Moslems mit ihren Welteroberungsträumen per Geburtenraten.
___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Liebe Maxi,
Du bist die jenige, die die Frage richtig beantwortet hat:

In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung …- C: deutlich mehr als halbiert.

Das ist ja schon mal ein Wert. Und eines sollte klar sein in Richtung Stabers Argumente: nur Gesellschaften, die nicht an der Grenze zum Abgrund kämpfen, können sich Arbeitsschutz, Kläranlagen, Filtertechnik in Industrie und Handwerk und eine Infrastruktur für den Naturschutz leisten.
Liebe Grüße
von Uel


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Re: Buchkritik

Beitragvon Uel » Di 19. Okt 2021, 15:21




Liebe Leute, ich muss Euch mal wieder eine Buchkritik anbieten:
Europa, das Meer und die Welt

Eigentlich bräuchte ich nicht viel schreiben: das Buch ist einfach genial. Einen unter Euch müsste es besonders interessieren: der, der immer gern mal rausfährt und der geschichtliche globalstrategische Entscheidungen sicherlich schon aus beruflicher Vorbildung leicht nachvollziehen kann.

1. Buchdaten: Europa, das Meer und die Welt - eine maritime Geschichte der Neuzeit von Jürgen Elvert, Professor für Neure Geschichte am historischen Institut der Uni Köln, erschienen bei DVA 2018, ISBN 978-3-421+04667-3, Preis ca. 45€, 515 Seiten Text + Abb., zusatzlich 70 Seiten Quellenangaben und Erläuterungen!!!

2. Klappentext:
Die Entstehung Europas aus dem Meer - die große maritime Geschichte unseres Kontinents
Europa wurde in der Antike vom Meer her erschlossen. Die heutige europäische Zivilisation entwickelte sich jedoch in der Neuzeit, in einem ständigen Dialog mit den außereuropäischen Welten, die von Seefahrern, Entdeckern und Kaufleuten in den europäischen Horizont einbezogen wurden. Das Meer verband Europa und Außereuropa miteinander: Schiffe brachten europäische Güter und europäisches Wissen in die Welt und Informationen aus der Welt nach Europa. Das neue Weltwissen wurde hier verarbeitet und sorgte so dafür, dass eine völlig neue Wissenskultur entstand.
Auch unser Wohlstand ist fest an die Freiheit der Meere geknüpft. Nachdem der Mensch lange allzu sorglos mit dem Meer als Ökosystem umgegangen ist, beginnen wir jetzt zu begreifen, dass unser aller Zukunft vom Meer abhängt.
https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/ ... 468310.rhd

3. Kritik:
Ein Buch, das beweist, dass z.b. mein genossener Geschichtsunterricht für die Tonne war, mit seinen kontinentalen Herscher- und Kriegsserien etc.. Die Geschichte wurde schon seit den Griechen und Römer vom Meer her gedacht, weil die Wirtschaft meistens wegen der Transportkapazitäten und den Kaufleuten fast immer von dem Meer und den Flüssen her funktionierte. Die Herrscher waren oft Getriebene des übernationalen Handels und ihrer aus diesem Handel zu generierenden Möglichkeiten. Auch erklärt es zum Teil die grenzenlose Gier der Conquistadoren durch die Art der Finanzierung und Verträge, die diese Leute mit ihren Geldgebern hatten. Denn hochseetaugliche Schiffe kosteten ein gigantisches Vermögen, dass sie mit der rückgeführten Frachten möglichst mit Gewinn wieder einfahren sollten. Die ungeheuren finanziellen Schäden bei Totalverlusten der Schiffe war auch ein gigantischer Treiber zu sichereren Techniken: neuere Schiffstypen, bessere technische Ausrüstung, neuer Navigationsinstrumente, genauere Kartografie, Erfindung von Versicherungen und Aktiengesellschaften, um das finanzielle Risiko auf mehreren Schultern zu verteilen. All dies mit der Hoffnung auf Gewinn beim Befriedigen der Gier bis Neugier der Bevölkerung nach all diesen neuen Dingen. Es ist ein zu weites Feld, um alle Aspekte zu beleuchten, einfach lesen.

Die Seefahrtgeschichte nach dem Britischen Empire mit den gescheiterten Flottenpolitiken des Deutschen Reiches hätte man weglassen können, oder aber den Aufstieg der USA zur maritimen Weltmacht Nr. 1 erläutern können, oder aber ein Ausblick in die Zukunft, was Chinas vermutlichen Schritte zur maritimen Weltmacht sein werden. Klage auf hohem Niveau, denn 500 Seiten sind auch schon mal genug.

4. Bewertung: :D :D :D :D :D

5. Links: https://www.hsozkult.de/review/id/reb-2 ... d-die-welt


PS.: ...der Bewertungsrahmen maximal 5 Smilys. :D :D :D :D :D ; dies :mrgreen: bedeutet: lieber nicht kaufen, bevor nicht selbst geprüft.
Liebe Grüße
von Uel


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Re: Buchkritik

Beitragvon Staber » Di 19. Okt 2021, 16:05

Elvert's letzter Satz vor dem Anhang fasst sein Werk gut zusammen: "Europa entdeckte die Welt über das Meer und lernte sich zugleich selber kennen." Eigentlich nur folgerichtig, dass heute tausende Flüchtlinge über das Meer kommend in Europa ihr Heil suchen. Darum geht es in diesem Werk allerdings nicht.
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Re: Buchkritik

Beitragvon Uel » Di 19. Okt 2021, 22:02

Lieber Staber,
ich lese dass Du schon kundig bist - bis zur letzten Seite! Bravo!

Man sollte Geschichte viel mehr von den Wirtschaftsströmen her sehen, denn schon damals beim Entdecken waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge global. Wenn man bedenkt, wieviel Geld (Gold und Silber) und Leben der überdehnte Machtanspruch Spaniens letztlich gekostet hat, die angestrebte Vormachtstellung in Europa mit südamerikanischem Silber zu finanzieren und dann doch an England und den Niederlanden zu scheitern, ungaublich! ... und dann die Mengen an Silber, das noch auf dem Tiefseeboden liegen muss, irre ...
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Re: Buchkritik

Beitragvon Staber » Di 19. Okt 2021, 22:36

Uel hat geschrieben:Lieber Staber,
ich lese dass Du schon kundig bist - bis zur letzten Seite! Bravo!

Man sollte Geschichte viel mehr von den Wirtschaftsströmen her sehen, denn schon damals beim Entdecken waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge global. Wenn man bedenkt, wieviel Geld (Gold und Silber) und Leben der überdehnte Machtanspruch Spaniens letztlich gekostet hat, die angestrebte Vormachtstellung in Europa mit südamerikanischem Silber zu finanzieren und dann doch an England und den Niederlanden zu scheitern, ungaublich! ... und dann die Mengen an Silber, das noch auf dem Tiefseeboden liegen muss, irre ...


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