Moderner Feudalismus

Hier werden die Thesen von Dr. Harald Wozniewski erörtert.

Moderator: Dr Wo

Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Fr 17. Apr 2009, 17:55

Ein Artikel über den Zusammenhang von Elite - Bildungseinrichtungen und Meudalismus, Auszug:

Während von normalen Arbeitnehmern bis hin zu den Empfängern von Sozialhilfe immer höhere Leistungen gefordert und solche rigiden Leistungsanforderungen geradezu als Mittel zur Disziplinierung der unteren Sozialschichten benutzt würden, hätte ein Teil der Oberschicht in den letzten Jahren enorme Reichtumsgewinne verzeichnet, die nicht auf eigener Leistung beruhten, sondern auf der historisch einmaligen Situation einer Erbschaftswelle nach einer langen Friedensepoche bzw. auf der Möglichkeit, durch Spekulation und Selbstbereicherung in Führungspositionen zu astronomischen Einkünften zu gelangen, die in keinem Verhältnis mehr zu irgendeiner Form persönlicher Leistung stünden. Neckel spricht hier von „Gelegenheitsökonomie“ als einer Form des Glücksrittertums. Hierdurch sei es zu einer Refeudalisierung der Gesellschaft gekommen, zur Etablierung einer neuen Aristokratie des Geldes, die für sich in Anspruch nehme, Elite zu sein, auch wenn sie nichts geleistet habe.

Quelle: http://www.newsmax.de/hochbegabtenfoerderung-im-eliteinternat-news51914.html
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 4. Mai 2009, 19:49

Zu DrWo auf dem Forum der Schwesterseite:

Wie ich bereits in meinem Willkommensgruss an Sie:
http://35828.forendienst.de/show_messages.php?mid=4588822&page=2
geschrieben habe, sind unsere verfassungsrechtlichen Ziele mit der politischen Arbeit gegen den Neofeudalismus inhaltlich verbunden.

Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dem "Nil in der Wüste" nur mit einer Instandsetzung des Grundgesetzes begegnet werden kann, die gegenwärtige grundgesetzwidrige Machtverteilung und der volkswirtschaftliche Verteilungszustand können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Ohne die Vervollkommnung der Gewaltenteilung wird unser Netzwerk gegen eine Mauer aus grundgesetzwidriger gesellschaftlicher Vermachtung laufen.

Die Gewinner des freien Wettbewerbs der Vergangenheit haben ein natürliches Interesse daran, den freien Wettbewerb in der Gegenwart und in der Zukunft zu unterdrücken. Sie sind ja schon Gewinner, Konkurrenz von unten ist eine loose/loose - Situation für sie. Derzeit haben sie die tatsächliche gesellschaftliche Macht, ihre Gewinnerpostition festzuschreiben und zu vererben. Also tun sie es. Erst wenn eine perfekte Gewaltenteilung und das strikte Verbot der gleichzeitigen Wahrnehmung von politischen Mandaten und Funktionen in der Wirtschaft auf grundgesetzlicher Ebene erreicht sind, wird eine Behebung des Krankheitssymptoms Neofeudalismus möglich sein. Der Krankheitsherd sind die Schwächen des Grundgesetzes, die mangelnde Autorität der wichtigsten Verfassungspostulate, insbesondere der des Artikel 20.
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 4. Mai 2009, 19:50

DrWo hat geschrieben:Ich habe nichts dagegen, gleichzeitig die Durchsetzung der Verfassung zu verfolgen. Nur eine Reihenfolge - erst das, dann das - halte ich für nicht notwendig.

Das Problem der Meudalismus-Bekämpfung sehe ich auch weniger mit der Verfassung zu lösen. Denn die muss letztlich auch erst von Politikern geändert bzw. durchgesetzt werden. Das Problem sehe ich bei den Politikern selbst, insbesondere bei jenen, die das Problem nicht einmal ansatzweise erkannt haben. Politiker, die das Postulat Ludwig Erhards http://www.kiwifo.de/html/auftrag.htm#ludwigerhard jahrzehntelang ins Gegenteil gekehrt hatten, sind das wahre Problem. Sie gilt es auszuklären und notfalls auszutauschen!

Mehr Bildung? Ja - für Politker!


Eine gleichmäßige Vermögensverteilung war in der Frühzeit der Bundesrepublik als Zielsetzung in allen Parteiprogrammen aufgeführt, auch in denen der bürgerlichen Parteien. Der "Wohlstand für alle" nach Ludwig Erhard ist praktisch die Geschäftsgrundlage für den sozialen Frieden in Deutschland gewesen. Das Sozialstaatsprinzip ist mit dem Artikel 20 in Artikel 79 Abs. 3 GG als ewiges Grundrecht aufgeführt, während der Artikel 14 unter Gesetzesvorbehalt steht.

Wenn die Politik so weit von ihren klar im Grundgesetz beschriebenen Pflichten abweichen kann, ohne dass dem wirksam begegnet wird, funktioniert das Grundgesetz einfach nicht richtig.

Dass es nur von Politikern instandgesetzt werden kann, ist mir schon klar. Deshalb haben wir ja mit der Idee einer Parteigründung angefangen, die vorläufig zu Gunsten des Versuches eines Bündnisses bereits bestehender Kleinparteien zurückgestellt wird.

Wenn die Forderung nach Instandsetzung und Stabilisierung des Grundgesetzes auch nur von einer mit knapp über 5 % der Stimmen ins Parlament gekommenen Partei bzw. Wählergemeinschaft auf den Tisch gelegt wird, dann bewirkt das Druck in dem (dann) 6 - Parteien - Parlament, es wird Probleme mit der Bildung von Regierungskoalitionen geben. Da sie die neue politische Kraft schnell wieder loswerden, wenn sie der Stabilisierung des Grundgesetzes zustimmen, würde das vielleicht schon reichen, zum Ziel zu kommen. Auf jeden Fall wäre es eine interessante politische Entwicklung.
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 4. Mai 2009, 19:52

@alle

das Buch von Dr. Wozniewski ist wirklich lesenswert, auf seiner Homepage sind Leseproben veröffentlicht.


Bild
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 4. Mai 2009, 19:53

Hier noch ein lesenswerter Text von Dr. Wozniewskis zweiter Internetseite
http://www.kiwifo.de/html/60_jahre.htm
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60 Jahre Währungsreform - 60 Jahre Geldmengenwachstum

19.06.2008 1. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Geld Sie in diesem Moment haben müssten, wenn Sie eine (für Deutschland) mittlere Geldmenge besitzen wollten? Gerade die Diskussionen um das Schwinden der Mittelschicht fordert diese Frage heraus. Denn wer Mittelschicht sein will, so lässt sich behaupten, der muss (u. a.) eine mittlere Kaufkraft, also eine mittlere Menge Geld besitzen.

Wie hoch ist nun aber eine mittlere Kaufkraft bzw. Geldmenge? Die Deutsche Bundesbank weiß ziemlich genau, wie viel Geld in Deutschland vorhanden ist. Sie nennt die Menge des Geldes, das unmittelbar als Zahlungsmittel dienen können, die Geldmenge M1. Es handelt sich dabei um Bargeld (jedoch ohne die Kassenbestände der Kreditinstitute) und um die Guthaben (!) bei Kreditinstituten auf Girokonten und auf Tagesgeldkonten. Bei der sogenannten Geldmenge M2 sind außerdem Termingelder und bei der Geldmenge M3 zusätzlich Spargelder hinzugerechnet. Wir bleiben aber mal bei M1. Die Deutsche Bundesbank sammelt die ständigen Meldungen der Kreditinstitute hierzu und veröffentlicht ihr Wissen jeden Monat in ihren "Monatsberichten". Nach dem neuesten "Monatsbericht März 2008" betrug die Geldmenge M1 im Januar 2008 960,6 Mrd. €.

Man könnte zur Ermittlung der mittleren Kaufkraft jetzt zwar mit der Bevölkerungszahl in Deutschland rechnen (zuletzt 82.314.900). Es macht aber wenig Sinn, Säuglinge und Kinder mitzurechnen. Rechnen wir daher lieber mit der Zahl der Haushalte in Deutschland. Die liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland bei 39.767.000. Die Geldmenge geteilt durch die Zahl der Haushalte ergibt somit die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt, sie beträgt danach 24.086 €.

Nun werden Sie einwenden, dass es ja auch Staat, Kommunen und eine Unzahl von Unternehmen (allesamt juristische Personen) gibt, die man nicht einfach unterschlagen könne. Klar gibt es diese juristischen Personen. Aber die gehören ja letztlich irgendwelchen natürlichen Personen, sodass auch das Geld der juristischen Personen letztlich der jeweiligen natürlichen Person gehört — das gilt selbst in Bezug auf Staat und Kommunen. Bei Letzteren ist auch zu bedenken, dass die sich angesichts ihrer erdrückenden Verschuldung ohnehin keine nennenswerten Geldbestände leisten. (Im März 2007 wurde erstmals das "Finanzvermögen des Staatssektors" bekannt gegeben. Vater Staat besaß Ende 2005 ca. 58 Mrd. €, also etwa 1482 € pro Haushalt oder 704 € pro Einwohner, http://www.destatis.de/...p1140061.htm).

Wenn Sie Termin- und Spargelder mitrechnen wollen, dann müssen wir nach der Geldmenge M3 schauen. Die lag im Januar 2008 bei 2.039,3 Mrd. €, sodass der mittlere Betrag pro Haushalt bei 51.281 € liegt.

2. Diese Betrachtung ist aus drei Gründen für die breite Öffentlichkeit ungewohnt.

Zum ersten sind wir es gewohnt, bei der Betrachtung von Arm und Reich, von Mittelschicht, Ober- und Unterschicht usw. nach dem gesamten Vermögen zu schauen und nicht nur auf einen Geldbetrag. Deshalb erscheint ein Betrag von 24.000 € bzw. 51.000 € beim ersten Blick sehr niedrig, beim zweiten Blick, wenn man verstanden hat, dass es nur ein bestimmter, aktueller Geldbetrag ist, aber sehr hoch.

Zum zweiten denken wir bei "durchschnittlichen" Geldbeträgen in der Größe von 24.000 € bzw. 51.000 € schnell an ein Jahreseinkommen (oder Monatseinkommen?), aber nicht an das aktuell vorhandene Geld.

Dies hat - drittens - seinen Grund darin, dass wir normalerweise nicht wissen und nicht ahnen, wie rasant die Geldmenge in den letzten vier, fünf Jahrzehnten in Deutschland gewachsen ist. Intuitiv haben die meisten die Vorstellung, dass die Menge des Geldes gleich bleibt oder dass sie allenfalls an das Sozialprodukt, an die Inflation oder gar an die Bevölkerungszahl angepasst wird. In Wirklichkeit ist die Geldmenge M3 seit der Währungsreform 1948 um durchschnittlich 10% jährlich gewachsen, also viel viel schneller als jedes der vorgenannten Kriterien.

3. Morgen vor 60 Jahren, am 20. Juni 1948, trat das Währungsgesetz in Kraft, wonach "mit Wirkung vom 21. Juni 1948 ... die Deutsche-Mark-Währung" galt (Einzelheiten dazu unter http://www.bundesbank.de/...200203mba_dm_bargeld.pdf). Damals wurden ca. 13 Mrd. DM neues Geld im Sinne von M3 geschaffen. Ludwig Erhard wollte, wie er 1957 schrieb, eine “breitgeschichtete Massenkaufkraft” schaffen, was mit der Währungsreform in jeder Hinsicht eingeleitet wurde.

Heute (nach dem Stand vom Mai 2008) liegt die Geldmenge M3 bei 2.099,619 Mrd. €, wenn man, wie früher üblich, das umlaufende Bargeld mitrechnet (http://www.bundesbank.de/...TXI300 und http://www.bundesbank.de/...TXI303). Das entspricht 4.106,498 Mrd. DM. Von einer “breitgeschichteten Massenkaufkraft” sind wir heute meilenweit entfernt.

Aus den beiden Eckzahlen ergibt sich eine durchschnittliche Steigerung der Geldmenge M3 von knapp über 10% jährlich!

4. Anlässlich der Währungsreform erhielt damals jeder ein "Kopfgeld" von 40 DM und dann noch mal von 20 DM. Mit der Währungsreform wurde eine Geldmenge (im Sinne von M3) von etwa 13 Mrd. DM geschaffen. Die Bevölkerungszahl betrug etwa 51 Mio. Menschen.

Heute liegt M3 wie gesagt bei 2.099,619 Mrd. €. Wenn es 1948 für jeden ein "Kopfgeld" von 40 DM + 20 DM = 60 DM gab, so war das so, als hätte heute jeder ein "Kopfgeld" von 6.003,99 €.

Die Rechnung:

51 Mio. Menschen x 2.099,619 Mrd. € 60 DM x ------------------------------------- = 6.003,99 €13 Mrd. DM x 82,3159 Mio. Menschen
Dies entspricht ungeachtet des Wechsels des Währungszeichens dem Faktor 100! 60 DM damals sind 6000 € heute: Wer damals also 60 DM Bargeld in der Tasche hatte, müsste heute, wenn er richtig gewirtschaftet hätte, 6.000 € Bargeld in der Tasche haben. Oder anders ausgedrückt:

Eine Digitalkamera, die heute z. B. 69,- € kostet, hätte nach dieser Rechnung damals 69 Pfennige gekostet! Ein Auto, das heute 30.000 € kostet, hätte damals 300 DM gekostet!

Umgekehrt gerechnet:

Die “Bruttostundenverdienste aller Arbeiter” lagen im Juni 1948 bei 0,99 DM und im Dezember 1948 bei 1,13 DM (Ludwig Erhard, Wohlstand für alle, 8. Aufl. 1964, S. 33). Hätte die Lohnentwicklung mit der Kaufkraftentwicklung (= Geldmengenwachstum) schrittgehalten, so lägen die Bruttostundenlöhne aller Arbeiter heute bei 99 € bzw. 113 €!

5. Wir sind nun nicht gewohnt, den uns persönlich zur Verfügung stehenden Geldbetrag mit dem der anderen zu vergleichen. Wir vergleichen allenfalls unsere Wohnungen, unsere Fahrräder, Motorräder oder Autos, unsere Kleidung, unsere Kücheneinrichtungen. Wir vergleichen auch unsere "Einkommen". Aber wir vergleichen nicht unsere "Geldbestände". Wir vergleichen sie nicht mit den von anderen und - was dem gleich kommt - nicht mit der gesamten in Deutschland vorhandenen Geldmenge. Daher merken wir von dem enormen Geldmengenwachstum von 10% jährlich nichts, und wir merken nicht, dass, wenn wir unser Einkommen jährlich nicht ebenfalls um 10% steigern, wir gegenüber der Gesamtheit verlieren. Das ist auch deshalb verständlich, weil diese Gesamtheit zu 99% aus Leuten besteht, denen es genauso geht wie uns. Und nur am Rand bemerken wir, dass vielleicht 1% enorme "Geldzuwächse" haben.

Rechenaufgaben:

Wenn die Geldmenge um 10% wächst und 99% der Leute einen Geldmengenzuwachs von nur 1% haben, wie viel Zuwachs hat das restliche Prozent der Leute, wobei unterstellt sei, dass alle am Anfang gleich viel Geld hatten?
Wie ist es, wenn man das Ergebnis der vorigen Rechnung als Geld-Anfangsbestände für eine weitere Berechnung im zweiten Jahr nimmt?
Wie ist es, wenn man diese Rechnung für 60 Jahre (also 60 mal) ausführt, wobei Endbestände der vorangegangenen Rechnung der Anfangsbestand der neuen Rechnung sind?
Lösungen in Tabelle 5 unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/geldverteilung.xls

Das Heimtückische ist also, dass wir unseren Verlust an Kaufkraft, also an unserem Anteil an der vorhandenen Geldmenge, nicht bemerken und dass wir deshalb seelenruhig unseren Alltagsgeschäften nachgehen. Preissteigerungen beunruhigen uns und lassen uns aktiv bis rebellisch werden. Lohnerhöhungen lassen Unternehmer aktiv bis rebellisch werden. Aber der Umstand, dass die Geldmenge Jahr für Jahr "an uns vorbei wächst" und unser gewohntes Einkommen deshalb immer weniger gesamtwirtschaftliche Bedeutung hat, beunruhigt uns nicht und macht uns schon gar nicht rebellisch.
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 1. Jun 2009, 14:41

Ein Artikel über den Zusammenhang von Elite - Bildungseinrichtungen und Meudalismus, Auszug:

Während von normalen Arbeitnehmern bis hin zu den Empfängern von Sozialhilfe immer höhere Leistungen gefordert und solche rigiden Leistungsanforderungen geradezu als Mittel zur Disziplinierung der unteren Sozialschichten benutzt würden, hätte ein Teil der Oberschicht in den letzten Jahren enorme Reichtumsgewinne verzeichnet, die nicht auf eigener Leistung beruhten, sondern auf der historisch einmaligen Situation einer Erbschaftswelle nach einer langen Friedensepoche bzw. auf der Möglichkeit, durch Spekulation und Selbstbereicherung in Führungspositionen zu astronomischen Einkünften zu gelangen, die in keinem Verhältnis mehr zu irgendeiner Form persönlicher Leistung stünden. Neckel spricht hier von „Gelegenheitsökonomie“ als einer Form des Glücksrittertums. Hierdurch sei es zu einer Refeudalisierung der Gesellschaft gekommen, zur Etablierung einer neuen Aristokratie des Geldes, die für sich in Anspruch nehme, Elite zu sein, auch wenn sie nichts geleistet habe.

Quelle: http://www.newsmax.de/hochbegabtenfoerderung-im-eliteinternat-news51914.html
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 1. Jun 2009, 14:41

Da habe ich doch gerade mal den Begriff "Neofeudalismus" bei google eigegeben und finde einen vergessenen Beitrag von mir auf dem Querdenkerforum, der unbedingt auf diesen thread hier kopiert gehört:

----------------------------------------------------------------------------------------

Meine persönliche Meinung zum Neofeudalismus: Das ist eine zwangsläufige und ganz natürliche Entwicklung in Gesellschaften, die ungeachtet ihrer Ausgestaltung als neuzeitliche Verfassungsdemokratie mit Gleichheitsgrundsatz und konstitutionellen Mindestanforderungen an die Chanchengleichheit aller Menschen diesen in höchstrangiges Recht gefassten gesellschaftlichen Konsens nicht mehr gegen die Starken, die ihre Pflichten gegenüber den Schwachen nicht erfüllen wollen, durchsetzen können.

Die Sieger des freien Wettbewerbs der Vergangenheit haben ein ganz natürliches Interesse daran, den freien Wettbewerb der Gegenwart zu behindern und den in der Zukunft zu Gunsten ihrer Kinder möglichst zu verhindern. Sie sind ja schon Sieger, der weitere freie Wettbewerb kann ihre Position nur verschlechtern.

Alle Erscheinungen in unserer Gesellschaft, die heute als "Neofeudalismus" bezeichnet werden, sind mithin ein Beleg für grundsätzliche Funktionsmängel der Verfassungsordnung selbst. Das Sozialstaatsprinzip und der Gleichheitsgrundsatz werden nicht hinreichend gegen natürliche Erosionserscheinungen geschützt.

Die Grunderkrankung dieser Gesellschaft ist die Diskrepanz zwischen dem Gesellschaftsentwurf des Grundgesetzes und der gesellschaftlichen Realität. Die berühmte sich ständig weiter öffnende Schere zwischen arm und reich ist nur das augenfälligste von vielen Symptomen der Grunderkrankung. Die Mindestanforderungen des Grundgesetzes werden nicht mit hinreichendem Nachdruck gegen die vorbezeichneten natürlichen Widerstände durchgesetzt.

Das hier angestrebte Verfassungsreferendum ist mithin die einzige denkbare Therapie, die bei der Grunderkrankung ansetzt, anstatt an Symptomen herumzudoktorn.

Dabei ist m. E. all das von höchstrangiger Bedeutung, was die bessere Duchsetzbarkeit der seit jeher bestehenden Anforderungen des Grundgesetzes in gesellschaftliche Realität betrifft. Das sind die Themen "direkte Demokratie", "Gewaltenteilung" und "Entflechtung von Politik und Wirtschaft".
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Mo 1. Jun 2009, 14:42

Hier mal eine Super - Lesermeinung bei faz online zum Thema #top#

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E896773BED69B49C49B3060FCE3E30392~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E253954.html


Zunächst ein Zitat von Paul Kirchhoff, dann der Kommentar des Lesers:

Unser Denken ist verwirrt. Auf Kredit versuchen wir, das Wachstum in Schwung zu bringen, statt die Staatsschulden abzubauen. Unsere Wirtschaftsakteure müssen dringend wieder in die Verantwortung genommen werden. Eigentum kann es nur noch in begrenzter Freiheit geben, meint der Finanzrechtler Paul Kirchhof.



Kirchhofs Einwände sind ja ehrenwert und im Kern zutreffend, aber nicht mehr zeitgemäß. Die Diagnose ist ja richtig: Was wir jetzt erleben ist nicht die Verstaatlichung der Banken, sondern die Privatisierung der Steuereinnahmen.
Künftig finanzieren wir mit unseren Steuern nicht mehr die Staatsausgaben sondern den Werterhalt der Banken. Soweit so simpel. Aber was folgt jetzt daraus?
Herr Kirchhof ist leider unfähig, diesen notwendigen Prozess, der uns zum Feudalismus zurückführen wird, gebührend zu würdigen und zu begrüßen.
Dabei hat der Feudalismus doch 1000 Jahre lang gezeigt, daß es keine nachhaltigere, stabilere Gesellschaftsordnung gibt als ihn.
"Mehr Feudalismus wagen!" -- Das ist die aktuelle Parole für alle fortschrittlich denkenden Menschen. Damit nach 250 Jahren industrieller und politischer Revolution endlich wieder die NORMALITÄT Einzug hält: Die einen herrschen und prassen und die anderen schuften. Das war schon immer so und alles andere ist linke Spinnerei.
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon AlexRE » Di 7. Jul 2009, 18:38

Der neue Feudalismus auf europäischer Ebene, den Strang habe ich gerade auf Pasos Forum eröffnet:

http://artikel5.forumprofi.de/thema-anzeigen-wem-gehoert-die-eu-t206.html#10042

Dies ist der Einleitungstext:

Heute habe ich einen Link zu einem bemerkenswerten Text auf der HP der UNI Münster gefunden. Bei allem Verständnis für die Abneigung des hiesigen Betreibers gegenüber den Linken müssen wir uns wohl oder übel so langsam daran erinnern, dass die Lebensbedingungen der meisten Menschen im Feudalismus noch schlechter waren als im real existierenden Sozialismus und die neuzeitliche Machtkonzentration, die an die Entstehungsgeschichte des klassischen Feudalismus erinnert, auch und gerade als demokratische Gemeinschaft scharf im Auge behalten.

Hier ein Auszug:

Die Frage, wem die EU gehört, kann und muss auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Zunächst einmal, und das entspricht dem gegenwärtigen Stand des Eindringens in diese Problematik, geht es um die Frage der Vermögenskonzentrationen, seit der europäische Integrationsprozess so richtig in Gang gekommen ist. [1] Die Reichen sind immer reicher geworden und dafür gibt es eine Fülle von empirischen und statistischen Indizes, auch wenn sie bislang in keiner Weise zureichend systematisch erschlossen und analysiert worden sind und auch wenn hinsichtlich der Frage, was Eigentum – und sogar Geld - unter den heutigen Bedingungen ist, Klärung aussteht. [2]

Zweitens geht es um das klassentheoretische Problem, also um die Frage, ob sich in Europa eine (neue) herrschende Klasse auf der Grundlage dieser Akkumulationsprozesse herausbildet. Hier finden sich die unterschiedlichsten Erklärungsansätze und noch bei weitem kein Konsensus unter den kapitalismuskritischen Beobachtern – und vornehmlich in diesem Milieu wollen wir uns im Folgenden bewegen.


Quelle: UNI Münster
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Re: Moderner Feudalismus

Beitragvon DJ_rainbow » Mi 8. Jul 2009, 08:24

"Klassentheoretisches Problem"... wenn ich derartigen Bullshit lesen muss, kommt mir der Kaffee hoch.

Wir haben kein klassentheoretisches, sondern links der Mitte ein ideologisch begründetes kognitives Problem hinsichtlich der Realitätswahrnehmung.

Man könnte auch Scheuklappen dazu sagen.

Damit will ich die Probleme nicht verniedlichen - aber linke Ideologie hat es noch nie in der Geschichte fertiggebracht, erkannte Probleme zum Wohle der Menschen zu lösen. Und wird es - siehe oben - auch in Zukunft nicht können.

Wer sich also auf DIE verlässt, wird verlassen sein.
In der Demokratie mästen sich Sozialisten in Parlamenten. Im Sozialismus hungern Demokraten in Zuchthäusern und Arbeitslagern.

Modi bei http://www.radio-xtream.de

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DJ_rainbow
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