Das Unwort des Jahres

Was eigentlich auf den Chat gehört, aber dennoch hier verewigt werden soll.

Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon AlexRE » Di 10. Jan 2017, 19:09

Zum Unwort des Jahres 2016 haben die Gutmenschen von der Unwort - Jury "Volksverräter" auserkoren:

(...)

"Volksverräter" ist nun zum Unwort des Jahres gewählt worden. Das gab die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, in Darmstadt bekannt. Das Wort sei ein "Erbe von Diktaturen", sagte sie. In der Begründung der Jury heißt es, Anhänger von Pegida, AfD und ähnlichen Initiativen würden den Begriff als Vorwurf gegenüber Politikern verwenden. Er sei undifferenziert und diffamierend und würde "das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft" abwürgen.

(...)


http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 29297.html

Dazu fällt mir ein, dass "Kollateralschaden" auch schon einmal zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Das hat aber bekanntlich nicht verhindert, dass auch Gutmenschen Kollateralschäden ihrer Weltrettumgsaktivitäten in Kauf nehmen. Mit diesen Kollateralschäden befassen die dafür unmittelbar politisch Verantwortlichen sich allerdings nicht gerne:

Bundesregierung zurückhaltend

Debatte über Gedenken für Anschlagsopfer - CDU-Vorstoß im Bundestag

(...)

Über eine offiziellen Trauer- oder Gedenkfeier wird schon länger diskutiert, der Bund und das Land Berlin betrachteten dabei die jeweils andere Seite als zuständig. Am Wochenende hatte sich eine Frau, deren Lebensgefährte seit dem Attentat um sein Leben kämpft, zu Wort gemeldet: „Ich finde die mangelnde Beachtung vonseiten des Staates traurig und unwürdig“, sagte sie dem Berliner „Tagesspiegel“. Aus ihrer Sicht wäre ein Staatsakt angemessen.


https://www.hna.de/politik/debatte-uebe ... 03001.html

Da "das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft" in solchen Fällen gutmenschlicherseits eher unerwünscht sind, werden sich die Wutbürger von gutmenschlichen Sprachwissenschaftlern auch kaum vorschreiben lassen, mit welchen Begrifflichkeiten sie das kommentieren.
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon AlexRE » Mi 11. Jan 2017, 17:48

Heute auf Facebook zu dem Anschweigen der deutschen Opfer geschrieben:

Nach dem Anschlag am Breitscheidplatz

Angehörige vermissen staatliche Trauerkultur

(...)

Staatsakt oder Trauerminute im Bundestag nach dem Anschlag an der Gedächtniskirche? Fehlanzeige. Hinterbliebene und Seelsorger kritisieren das.

Doch während die Opfer aus Italien, Polen und Israel öffentlich und auch von den jeweiligen Regierungsvertretern betrauert und damit geehrt werden, bleiben die deutschen Betroffenen bislang weitgehend unbekannt. Es gibt keine Auskünfte über sie, aber auch keine Bilder, etwa von Besuchen des Regierenden Bürgermeisters oder der Bundeskanzlerin bei Verletzten im Krankenhaus. Es gibt offenbar auch keine Pläne für eine Gedenkveranstaltung oder auch nur eine Schweigeminute wie zu anderen Anlässen.

(...)


http://www.tagesspiegel.de/berlin/nach- ... 23036.html

Das ist schon klar - die italienischen, polnischen und israelischen Politiker müssen ja auch nicht befürchten, dass ihnen von Opfern und Angehörigen Schuldvorwürfe um die Ohren gehauen werden. Für die deutsche politische Klasse ist hier das bewährte Aussitzen angesagt.
Der Stuttgarter OB Rommel:

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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon Uel » Mi 11. Jan 2017, 18:23

Die ganze Veranstaltung scheint mehr und mehr in der Tradition von Orwells "1984" zu kommen und es scheint um die Deutungshoheit von Sprache zu gehen: Das Ministerium für Neusprech in dem Roman nahm auch Worte in Besitz oder wies ihnen neue Deutungen zu, damit die Gedanken von Obrigkeitskritikern nicht mehr formuliert werden konnten.
Liebe Grüße
von Uel


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Vom organisierten Geld regiert zu werden ist genauso schlimm wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden. [Roosevelt-32.US-Präsident]
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon icke » Sa 21. Jan 2017, 16:41

Im Rahmen ihrer Pressemitteilung bietet die Jury eine Statistik an, die Aufschluss über die Häufigkeit der eingereichten Vorschläge gibt.

Die Jury erhielt insgesamt 1064 Einsendungen. Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nicht sämtlich den Kriterien der Jury entsprechen, waren postfaktisch [48],Populismus/Rechtspopulismus [38], (bedauerlicher) Einzelfall [21], Gutmensch [18], (Flüchtlings-)Obergrenze[17], Flüchtlingsdeal [15], Biodeutscher/biodeutsch [14], Umvolkung [12], Wir schaffen das! [11] und eine Armlänge/eine Armlänge Abstand [10]. Der Ausdruck Volksverräter wurde insgesamt dreimal eingesendet.

"Die Jury hat in diesem Jahr sehr lange diskutiert, ob das ‚Unwort des Jahres 2016‘ wirklich aus dem plakativen und polemischen Sprachgebrauch stammen sollte, den Angehörige und AnhängerInnen von Pegida, AfD oder ähnlichen
Initiativen verwenden […]“ „Doch die Einsendungen zeigen, dass sich der Großteil öffentlicher Sprachkritik gegen einen diffamierenden Sprachgebrauch im Themenfeld Migration richtet.“ Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nicht sämtlich den Kriterien der Jury entsprechen […]“

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmi ... rt2016.pdf

Ich denke, es ist deutlich geworden, WAS den Kriterien der Jury wirklich entspricht. Obwohl nur dreimal vorgeschlagen, im Bewusstsein der Gemeinschaft also offenbar nur schwach vertreten, musste es unbedingt ein AfD- oder Pegida-Wort sein. Es wurde nicht das am häufigsten vorgeschlagene Wort gewählt, sondern jenes, welches der Jury am passendsten erscheint. Der vermeintlich demokratische Charakter der Unwortwahl ist also sehr zweifelhaft. Die wesentlich häufiger als "Volksverräter" genannten Vorschläge stammen im weitesten Sinne aus dem Themenfeld Migration, also vom politisch "anderen" und sie befassen sich eher kritisch mit dem Thema "Migration". Aber keines dieser Wörter hatte eine Chance.
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon maxikatze » Fr 15. Sep 2017, 09:30

Also...ich hätte da einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2017 - oder besser gesagt zwei:

rückstandslos entsorgt
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon Staber » Fr 15. Sep 2017, 14:57

maxikatze hat geschrieben:Also...ich hätte da einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2017 - oder besser gesagt zwei:

rückstandslos entsorgt


Moin Maxi!
Wieso diese zwei Worte als Vorschlag! :?:
DGzRS
" Wir fahren raus, wenn andere reinkommen.

Gruß Staber
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon maxikatze » Fr 15. Sep 2017, 17:05

Staber hat geschrieben:
maxikatze hat geschrieben:Also...ich hätte da einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2017 - oder besser gesagt zwei:

rückstandslos entsorgt


Moin Maxi!
Wieso diese zwei Worte als Vorschlag! :?:


Ja warum denn nicht? :)
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Re: Das Unwort des Jahres

Beitragvon maxikatze » So 8. Dez 2019, 11:13

Das Unwort des Jahres wird am 14. Januar 2020 bekanntgegeben.
Asyltourismus, Flüchtlingsdeal, Ökoterrorismus, Ökodiktatur sind nur einige der eingesendeten Vorschläge.
https://www.t-online.de/leben/id_867359 ... krise.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Wort_des_ ... eutschland)#Wort_des_Jahres
Das Wort des Jahres 2019 ist "Respektrente" - welches ich persönlich unangebracht finde.
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