Frauen in Afghanistan

Sollte die deutsche Außenpolitik vorranging die kollektiven Interessen der EU und der NATO vertreten oder eigenständig Schwerpunkte setzen?

Frauen in Afghanistan

Beitragvon maxikatze » Do 29. Mär 2012, 07:14

Schwerpunkt deutscher Aussenpolitik ist nicht die inakzeptable Lage der Frauen in Afghanistan. Ich wünschte mir jedenfalls mehr Engagement in dieser Richtung. Aber Kriege werden aus anderen Gründen geführt und nicht um Frauenrechte durchzusetzen. Das ist traurig aber wahr.
Es sitzen Hunderte in den Gefängnissen, weil sie es gewagt haben, ihren Ehemann wegen häuslicher Gewalt zu verlassen.
Zehn Jahre nach Taliban-Herrschaft sollte das eigentlich der Vergangenheit angehören.
http://www.fr-online.de/politik/frauen- ... view,.html
Frauen schulden keiner einzigen Religion Dank für auch nur einen Impuls der Freiheit.
Susan Brownell Anthony,
amerikanische Frauenrechtlerin 1820-1906




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Re: Frauen in Afghanistan

Beitragvon AlexRE » Do 29. Mär 2012, 10:16

"Talibanisierung" - da können sie ebensogut eine Kapitulationsurkunde unterschreiben und an die Taliban schicken, bevor sie sich aus Afghanistan verwieseln:

"Talibanisierung" des Landes

Die Haltung der afghanischen Regierung zu den Frauenrechten sei erratisch. Präsident Karsai sei "nicht in der Lage und nicht Willens eine klare Position gegen die konservativen Kräfte im Lande zu beziehen und hat oft Kompromisse geschlossen, die die Rechte der Frauen negativ beeinflusst haben", heißt es in dem Bericht.

Vor einigen Wochen hatten die obersten Religionsführer Afghanistans neue Leitlinien für das Verhalten von Frauen herausgegeben: Diese sind demnach Männern untergeordnet, sie sollen weder bei der Arbeit noch auf dem Basar oder an Schulen und Universitäten mit Männern zusammenkommen und nicht ohne männlichen Begleiter einen Bus besteigen.

Karsai hat die Regeln der Ulema, des nationalen Rates der Religionsgelehrten, verteidigt. Kritiker sehen in den neuen Richtlinien "grünes Licht für die Talibanisierung" des Landes.


http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... nfig=print
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Re: Frauen in Afghanistan

Beitragvon Staber » Do 29. Mär 2012, 11:24

maxikatze hat geschrieben:Schwerpunkt deutscher Aussenpolitik ist nicht die inakzeptable Lage der Frauen in Afghanistan. Ich wünschte mir jedenfalls mehr Engagement in dieser Richtung. Aber Kriege werden aus anderen Gründen geführt und nicht um Frauenrechte durchzusetzen. Das ist traurig aber wahr.


Moin Maxi!
Ist es nicht "wunderbar"? Da hat man mehr als zehn Jahre Gutmenschentum und Milliarden an Dollar in dieses Land gesteckt und jetzt stellt sich heraus: Pustekuchen! "Denen" da unten ist völlig egal, was wir für richtig halten. Und nicht einmal nett Danke sagen für die vielen Milliarden, die sie in neue Maschinen (für den Mohn-Anbau) stecken konnten, in neue Waffen, um sich besser zu bekämpfen, oder Klickibunti-Sachen, wie einst der Siedler dem Indianer vertickte.
Bei soviel Zynismus der Sache muss ich fast k*tzen. Wann geht es endlich in den Schädel der westlichen Welt, dass man den Kampf um die Köpfe nicht in zehn Jahren gewinnt. Dass unser Wertesystem nicht das ist, was wir in Flugblättern und Büchern predigen, sondern dass, was "diese" Menschen dort im Fernsehen sehen und/oder von den wenigen Mächtigen verbreitet wird. Aufklärung, Frauenrechte, Demokratie? Wozu das alles, ging ohne auch und mit dem ganzen Schmus wurde es innerhalb von zehn Jahren nicht viel besser... also, zurück zu den (Mohn-)Wurzeln... ;)

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Re: Frauen in Afghanistan

Beitragvon maxikatze » Do 29. Mär 2012, 16:31

"Denen" da unten ist völlig egal, was wir für richtig halten.


Dass den Frauen die eigene Situation egal ist, darf man bezweifeln. Nicht nur, dass sie keinen Schutz und Rückhalt in der Familie haben, sondern auch noch vom Gesetzgeber unter der Knute gehalten werden. Das lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen.
Wenn Karsai wieder so weit ist und sich nach den Wünschen der Taliban richtet, muss ein Druckmittel her. Mir fällt spontan eine stufenweise Kürzung der Aufbauhilfe ein.
Oder wenn sich westliche Länder dazu durchringen könnten, die Gefängnisinsassinnen freizukaufen und ihnen Asyl zu gewähren. Aber das käme wohl nicht in Frage und würde vehement abgelehnt.
Man kann also den Frauen nur raten, rechtzeitig zu fliehen, denn nach der Gefängnisstrafe fürchten nicht wenige, dass sie von ihren Angehörigen ermordet werden. - Für die Frauen jedenfalls wird sich zu deren Lebzeiten nichts mehr ändern.
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Re: Frauen in Afghanistan

Beitragvon Staber » Do 29. Mär 2012, 16:56

maxikatze hat geschrieben:Für die Frauen jedenfalls wird sich zu deren Lebzeiten nichts mehr ändern.



Das, was dort passiert, hat nichts mit der Religion zu tun, sondern nur mit den Machtgelüsten der Herrschenden. Die Jahrhunderte alten Traditionen will niemand beseitigen. Denn jeder, der es versucht, bekommt sofort erheblichen Widerstand.
Ob nun die Taliban (die in Afghanistan wie die westlichen Armeen nur eine Besatzungsmacht waren/sind), oder auch die herrschende Kaste um Karzai dem ja im Zusammenhang mit seiner Familie reichlich Verstrickungen in diverse kriminelle Machenschaften nachgesagt wird, oder auch die lokalen Stammesfürsten, alle wollen dort nur die Macht für sich nutzen und tun alles, sie zu behalten.
Dort hilft nur, den Menschen vor Ort die Macht zu geben, sich zu wehren. Da aber in Afghanistan vorrangig nur die Frauen leiden, wird das auch nicht funktionieren. So kann die Zivilisation eigentlich nur zusehen, wie sich die Menschen dort die Hölle auf Erden bereiten. Der Krieg wurde von Anfang an zu halbherzig geführt. So langsam sollte man eigentlich wissen, dass man solche Kriege nur gewinnen kann, wenn man mit dem Zehnfachen an Mann und Technik innerhalb weniger Tage auftaucht und Despoten ein schnelles Ende bereitet. Dann hat man das Volk auf seiner Seite. Jahrelange Schlachten mit entsprechenden zivilen Opfern bringen nur neue Feinde.

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