Illegale Arzneimitteltests

Hier können Beiträge zu dem gesamten Themenkomplex von der Finanzierung des Gesundheitswesens bis zu speziellen Gesundheitsrisiken geschrieben werden.

Illegale Arzneimitteltests

Beitragvon AlexRE » So 12. Mai 2013, 23:58

Dieser Skandal war schon Anfang der 90er Jahre bekannt, nicht aber sein ganzes Ausmaß:

Viel mehr Arzneimitteltests in DDR

Projekt an der Charité will dies nun näher untersuchen

Das Ausmaß der Medikamentenstudien westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken ist nach Informationen des "Spiegel" größer als bisher bekannt: In mehr als 50 Kliniken hätten mehr als 50.000 Menschen - teils unwissentlich - als Testpatienten für Herzmedikamente oder Antidepressiva herhalten müssen.

(...)

Dabei soll es - laut "Spiegel" - zu zahlreichen Todesfällen gekommen sein, auch wurden Tests wegen Nebenwirkungen abgebrochen.

(...)

Die Hersteller boten demnach bis zu 800.000 D-Mark pro Studie an. Patienten seien über Risiken und Nebenwirkungen oft im Unklaren gelassen worden. Einige Mediziner waren sich laut Gesprächsprotokollen der Motive der Konzerne durchaus bewusst.

(...)


http://www.dradio.de/aktuell/2105278/

Angesichts dieser kriminellen Energie der Geldproduktionsmaschine "Pharmaindustrie" würde es mich sehr wundern, wenn das schmutzige Spiel nicht heute noch in der 3. Welt laufen würde.
Der Stuttgarter OB Rommel:

Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen.
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Re: Illegale Arzneimitteltests

Beitragvon icke » Di 27. Feb 2018, 14:17

Vielleicht finden illegale Tests heute noch vereinzelt in Deutschland statt? Wenn Patienten ohne ihr Wissen und ihre Einwilligung Placebos und Probepackungen erhalten, geht das in die Richtung. Einige Portale erfassen das Verschreibungsverhalten von Ärzten, z.B. welche Ärzte selten und häufig Generikas verschreiben, welche Ärzte konservativ auf bewährte Medikamente setzen und welche auf "Innovationen" und Innovationen. Diese Portale sind die Informationsquellen für Pharmareferenten. Und je geringer die tatsächlichen Innovationen sind, umso höher die Ausgaben fürs Marketing. Das Verhältnis von Forschung und Marketing bei den Ausgaben von Pharmaunternehmen lag vor einigen Jahren bei rund 10 zu 40 Prozent. Uni-Ausgaben zur Forschung nicht mit einbezogen. Die Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes zu ethischen Grundsätzen für die medizinische Forschung soll Grundlagen schaffen, ist rechtlich aber nicht bindend.

Allgemeine Grundsätze
3. Die Genfer Deklaration des Weltärztebundes verpflichtet den Arzt mit den Worten  „Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein“, und der  Internationale Kodex für ärztliche Ethik legt fest: „Der Arzt soll bei der Ausübung seiner  ärztlichen Tätigkeit im besten Interesse des Patienten handeln.“
https://m.aerzteblatt.de/print/63784.htm

Der 112. deutsche Ärztetag ergänzte noch: Ärztinnen und Ärzte üben ihren Beruf frei aus; sie sind ausschließlich dem Wohl ihrer Patienten verpflichtet. Im Zweifel muss das Wohl des Patienten Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen.
http://www.bundesaerztekammer.de/aerzte ... patienten/

Trotzdem konnte ein Spiegelredakteur vor über zehn Jahren Deutschlands einflussreichsten Psychologen für die Verschreibung von Placebos aus wirtschaftlichen Gründen überreden.
https://books.google.de/books?id=BSb6CA ... &dq=Prof+Möller+Placebos&source=bl&ots=1HLgTIu9JP&sig=4TjNdDl9WW6B07mw9gyEZPpe3hc&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjRhpmYm7nZAhUOLFAKHVMKCsEQ6AEwB3oECAMQAQ#v=onepage&q=Prof%20M%C3%B6ller%20Placebos&f=false
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Re: Illegale Arzneimitteltests

Beitragvon AlexRE » Di 27. Feb 2018, 20:56

Das Verhältnis von Forschung und Marketing bei den Ausgaben von Pharmaunternehmen lag vor einigen Jahren bei rund 10 zu 40 Prozent. Uni-Ausgaben zur Forschung nicht mit einbezogen.


Dann ist der Löwenanteil an den Forschungskosten nicht mit einbezogen. Die teuren Irrwege der Forschung ("trial and error") werden nämlich von staatlich finanzierten Unis und Instituten beschritten, die Pharmaindustrie greift sich dann nur das, was mit ziemlicher Sicherheit profitabel sein wird, und entwickelt es bis zur Produktionsreife weiter. Dann ist es das geistige Eigentum des Konzerns und kann als Geldpumpe von unten nach oben in Betrieb genommen werden.

Die freie Marktwirtschaft und der Medizinbetrieb passen einfach nicht zusammen, besonders nicht in Ländern, deren Parlament von mehr Lobbyisten mit Hausausweis als von Abgeordneten frequentiert wird. Deutschland ist so ein Land.
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